Erdkabel bodenschonend verlegen

Ein Leitprojekt der Offensive Nachhaltigkeit

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Bauern setzen bodenschonende Verlegung von Erdkabeln durch

Erdkabel statt Strom-Masten: Für viele Menschen klingt das nach einer guten Lösung, um die Verlegung von neuen Stromtrassen für den Öko-Strom-Transport politisch durchzusetzen. Für die betroffenen Landwirte steht hingegen die Auswirkungen der Baumaßnahmen auf ihren Ackerboden im Vordergrund.

Wie man bei solch einem Bauvorhaben den Boden schonen kann, haben Bauern in der Gemeinde Raesfeld vorgemacht – und werden damit zu einem Vorreiter in Sachen „Boden schonendes Verlegen von Erdkabeln“.

In Raesfeld wurde der Boden auf einer Länge von ca. 3 Kilometern auf ca. 42 Meter Breite geöffnet und bis zu einer Tiefe von 2,20 Metern ausgehoben. In zwei Gräben von je 5,50 Meter wurden die Kabel verlegt, dazwischen verlief eine 10 Meter breite Baustraße. Auf dieser bewegten sich Bagger und schwere LKW, in den Gräben wurde die Struktur des Ackerbodens komplett zerstört.

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Vereinbarung mit Netzbetreiber sichert bodenschonende Verlegung

Vor Beginn der Erdkabel-Verlegung schlossen die betroffenen Raesfelder Landwirte – unterstützt vom Bauernverband – mit dem künftigen Netzbetreiber Amprion eine Rahmenregelung zum Bodenschutz ab. Diese sah eine fachkundige Baubegleitung durch einen Bodenkundler vor. Dieser erstellte ein Bodenschutzkonzept mit folgenden Eckpunkten:

  • Dokumentation der Baumaßnahme und des Bodens
  • Nur Verwendung von Baufahrzeugen mit geringem Bodendruck
  • Bau nur bei geeigneter Witterung
  • getrennte Lagerung der Bodenschichten als Voraussetzung für eine erfolgreiche Rekultivierung
  • Baustopprecht bei Gefahr irreparabler Bodenstrukturschäden
  • Drainagearbeiten in Abstimmung mit dem bodenkundlichen Sachverständigen
  • Nach Ende der Baumaßnahme fachgerechte Rekultivierung

Nach der dreijähringen Rekultivierung werden im Jahr 2018 die ersten Flächen an ihre Eigentümer zur Bewirtschaftung zurückgegeben.

Blick auf die Erdkabel-Trasse während und nach der Bauphase

Beim Blick auf die Trasse der Erdkabel sind die umfangreichen Erdbewegung quer durch wertvolle Ackerflächen deutlich zu sehen. Kaum zu glauben, dass hier nach der Verlegung auf intaktem Boden wieder Raps, Weizen oder Mais wachsen können. Heute ist die bodenschonende Verlegung der Erdkabel in Raesfeld ein Vorbild für andere Erdkabel-Projekte in ganz Deutschland.

Bauphase Rekultivierung

Die Bundesnetzagentur hat in einem eigenen Video die Verlegung des Erdkabels in Borken dargestellt. Leider kommt in dem Beitrag keiner der betroffenen Landwirte zu Wort.

Projekt-Steckbrief

Erdkabelverlegung in Raesfeld
Handlungsfeld: Pflanzenbau & Umwelt

  • Ziel: Bodenschonende Verlegung von Hochspannungs-Erdkabeln
  • Durchführung: Entwicklung und Umsetzung eines Bodenschutzkonzeptes von Bauernverband und Netzbetreiber unter wissenschaftlicher Begleitung
  • Ergebnis: Erhalt von Bodenfruchtbarkeit und Bodengefüge der von der Kabelverlegung betroffenen Ackerflächen

    „Wir Landwirte unterstützen die Energiewende. Wir fordern jedoch, bei der Planung von Stromtrassen deutlich mehr Rücksicht auf agrarstrukturelle Belange zu nehmen. Wenn durch den Leitungsbau Kompensationsbedarf besteht, dürfen keinesfalls weitere landwirtschaftliche Nutzflächen beansprucht werden.“

    Johannes Röring

    Bauernpräsident in Westfalen-Lippe

    Erdkabelprojekt in Raesfeld

    Dieses Projekt ist Teil der Offensive Nachhaltigkeit des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes.

    Was ist ein Erdkabel?

    Ein Erdkabel ist ein im Erdboden verlegtes Kabel, mit dem elektrischer Strom transportiert wird. Erdkabel sind – im Gegensatz zu Freileitungen – gegen Beschädigungen besser geschützt und stören das Landschaftsbild optisch nicht. Nachteilig sind der höhere Wartungsaufwand und die sehr hohen Baukosten.

    Für Landwirte besonders ins Gewicht fallen die mit dem Bau zusammenhängenden Folgen für das Bodengefüge und die Ertragsfähigkeit des Bodens.

    Wie wurde gebaut?
    In Raesfeld wurde der Boden auf einer Länge von ca. 3 Kilometern auf ca. 42 Meter Breite geöffnet und bis zu einer Tiefe von 2,20 Metern ausgehoben. In zwei Gräben von je 5,50 Meter wurden die Kabel verlegt, dazwischen verlief eine 10 Meter breite Baustraße. Auf dieser bewegten sich Bagger und schwere LKW, in den Gräben wurde die Struktur des Ackerbodens komplett zerstört.
    Was haben Bauern und Netzbetreiber zur Bodenschonung vereinbart?
    • Der Bodenzustand wird vor Beginn der Bauarbeiten dokumentiert.
    • Es wird durch ein Ingenieur-Büro ein Bodenschutzkonzept erstellt und von einem neutralen Wissenschaftler geprüft.
    • Die Arbeiten während der Bauphase werden dokumentiert und von einer bodenkundlichen Baubegleitung überwacht.
    • Bei ungünstigen Wetterbedingungen (z.B. starkem Regen) kann die bodenkundliche Baubegleitung die Arbeiten einstellen lassen (Baustopprecht).
    • Der Bodenzustand am Ende der Baumaßnahme wird dokumentiert.
    • Es wird ein Rekultivierungskonzept erstellt, das die nachfolgenden Maßnahmen zur Herstellung des Ausgangszustandes festlegt.

    WLV - Westfälisch-Lippischer
    Landwirtschaftsverband e. V.

    Schorlemerstraße 15
    48143 Münster
    Tel.: 0251/4175-01
    Fax: 0251/4175–136
    E-Mail: info@wlv.de